Hollywood und die neue Lust an der Ideenlosigkeit

Fantasy Spielfiguren
Quelle: Marvel

Die Musikindustrie hat es vorgemacht: Es gab eine Zeit, in der die Plattenfirmen den Markt mit neu aufgenommenen Hits von gestern überfluteten. Mittlerweile ist Hollywood auf den Zug aufgesprungen: Die Filmindustrie gibt sich lustvoll dem Recyceln ihrer bisherigen Kassenschlager hin. Statt Coverversionen spricht man hier von Reboots, Neuverfilmungen und Sequels (Fortsetzungen). Alter Wein in neuen Schläuchen ist das Zauberwort der Neuzeit. Für Originalität bleibt da wenig Platz. Bei allem Verständnis für Sicherheitsdenken muss die Bemerkung erlaubt sein, dass es doch viel schöner ist, wenn das Leben voller Überraschungen steckt. Wie schön (positive) Überraschungen sein können, erleben die Menschen jeden Tag im Online Casino.

Wie lange geht so etwas gut?

Totgesagte leben länger. Dies zeigt der nicht endende Erfolg der Marvel-Verfilmungen. Seit sie 2008 ihr Filmuniversum mit „Iron Man“ starteten, ist die Flut der Unkenrufe nicht abgerissen. Mehr als einmal wurde die nächste Marvel-Verfilmung vorab zum Flop gekürt, der das Superheldengenre endgültig aus dem Kino verbannen würde. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Spätestens mit dem dritten Teil der Avengers-Reihe ist die Zwei-Milliarden-Dollar-Grenze nicht mehr sicher. „Black Panther“ gilt als heißer Kandidat für den Oscar, und das Studio plant bereits Filme für die nächsten zehn Jahre. In gewisser Weise gibt der Erfolg den Verantwortlichen recht. Aber was ist, wenn diese Welle auf andere Studios überschwappt? Bereits jetzt kopieren sie mit mehr oder weniger Erfolg das Marvel-Rezept – Warner Brothers / DC bisher mit durchwachsenem Ergebnis. Nicht zu vergessen das „Monsterverse“, in dem klassische Filmmonster wie King Kong und Godzilla zum x-ten Mal aus dem Schrank geholt werden.

Der Kino-Fahrplan für 2019: im Westen nichts Neues

Ein Blick auf die kommenden Filmstarts zeigt eine Flut an Fortsetzungen. Darunter sind Filme wie „Zombieland 2“, „Frozen 2“, „The Lego Movie 2“ und „Star Wars: Episode 9“. Apropos „Star Wars“: Disney hat für sehr viel Geld die Rechte an der Sternensage gekauft. Nun muss der Goldesel sich amortisieren. Für die Zeit nach Episode 9 ist bereits eine weitere Trilogie geplant. Hinzu kommen Spin-Offs wie „Rogue One“ und die jüngst erschienene Han-Solo-Verfilmung. Diese ist an den Kinokassen kolossal gescheitert, was die Frage aufwirft, ob die Welt wirklich jedes Jahr einen neuen Star-Wars-Film braucht. Gleiches gilt für die Neuauflagen von „Der König der Löwen“ und „Hellboy“. Reichen die alten Disney-Filme nicht aus, um 2019 die Menschen zu begeistern? Muss wirklich alles, was einst Geld in die Kasse spülte, erneut aufgelegt werden? Im Fall von „Ben Hur“ war die Antwort der Kinogänger ein klares Nein.

Vom TV auf die Leinwand

Auch beliebte Fernsehserien von einst sind mittlerweile nicht mehr sicher. So wird zunehmend alles, was irgendwann Geld brachte, in einen Kinofilm verpackt. 2019 trifft es „Charlies Angels“ und die „Addams Family“. Letztere schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie ist die Verfilmung einer Fernsehserie von anno dazumal UND Fortsetzung zu einer Reihe von Kinofilmen, die auf derselben Serie beruhten. Klingt das verwirrend? Es IST verwirrend! Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis einstige TV-Lieblinge wie „Ein Colt für alle Fälle“ und „Alf“ ihren eigenen Kinofilm bekommen. Im Fall von „Baywatch“ und dem „A-Team“ ist es längst geschehen. Vielleicht gibt es demnächst ein weiteres Filmuniversum, das die Erfolgsformel von Marvel kopiert. Wie wäre es mit „Heidi und Pinocchio vs. Barbapapa“ oder „Die Biene Maja in New York“?

Müssen Kunst und Kommerz sich ausschließen?

Bei aller Kritik muss berücksichtigt werden, dass Kunst und Moneten nicht zwangsweise im Widerspruch stehen. So hatten die Marvel-Studios von Anfang an ein feines Gespür für die Wahl von Schauspielern, Drehbuchautoren und Regisseuren. Darsteller wie Scarlett Johansson, Robert Downey jr. und Robert Redford schwärmen von den Dreharbeiten und haben sichtlich Spaß an ihren Rollen. „Black Panther“ schaffte das Kunststück, die afroamerikanische Community in einer Weise zu begeistern, die ihresgleichen sucht. Ist das, was Schauspieler und Kinogänger begeistert, falsch, nur weil es erfolgreich ist? Sicherlich nicht. Problematisch wird es, wenn pure Geldgier zu einer Flut von unmotivierten und seelenlosen Fortsetzungen führt. Wenn Kreativität und Leidenschaft fürs Filmemachen keine Rolle mehr spielen, werden Drehbücher mit dem Taschenrechner geschrieben, was zu langweiligen Filmen führt. Sicherlich ist Hollywood kein Verein zur Förderung der Kunst. Trotzdem wäre es wünschenswert, wieder mehr Filmemacher zu erleben, die den Mut haben, etwas Neues zu wagen. Immerhin begann auch der Erfolg der Marvel-Studios mit einem äußerst risikofreudigen Projekt: Man nehme einen Schauspieler, der in Hollywood keinen Blumentopf mehr wert war, einen unerfahrenen Regisseur, und lasse sie einen B-Helden der Comicwelt auf die Leinwand bringen. Das Ergebnis hieß „Iron Man“ und begründete immerhin die erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten.

Das Ende der Musikindustrie, wie wir sie kannten Web-Design – einst und heute